© 2014 |bahngalerie.de| Detlef Klein - Rodgau -


Zwei Krokodile unterwegs in Graubünden

Im Rahmen der diesjährigen Studienfahrt der [Verkehrsfreunde Stuttgart] wurden auch die anlässlich der Feierlichkeiten zum 125jährigen Geburtstag der Rhätischen Bahn angebotenen Sonderfahrten in das Programm eingebunden. Alle Aufnahmen von dieser Seite stammen vom 11. September 2014. Leider hat sich an diesem Tag die Sonne mehr als den Fotografen lieb war hinter den Wolken versteckt.

Texte von Dr. Peter Hartmann und Rainer Vogler

Der dritte Tag unserer Studienfahrt stand ganz im Zeichen des Rhätischen Krokodils, des Inbegriffs der klassischen Rhätischen Bahn. Nur noch zwei Maschinen sind aktuell betriebsfähig – und beide zogen gemeinsam an diesem Tag einen öffentlich ausgeschriebenen Sonderzug, gebildet aus Salonwagen, von Landquart über Chur, Thusis und Filisur durch den Albulatunnel ins Engadin mit dem Ziel Scuol-Tarasp. In Anbetracht der gebotenen Zuggarnitur hatten sich Roland Braun und Helmut Iffländer einer ganz besonderen Herausforderung gestellt: Mit der exakten Kenntnis des RhB-Fahrplanes gelang es, mehrere Fotopunkte mit Fotobussen zu erreichen. Ulf Weidle war mit seinem großen Reisebus bis zum Landwasserviadukt parallel gefahren, über den Albulapass und im Engadin stand uns ein kleinerer Bus zur Verfügung, denn nur diese Fahrzeuggröße kann und darf über den Albulapass fahren. In Scuol-Tarasp trafen sich beide Gruppen und tauschten ihre Erlebnisse des langen Vormittags aus. Diejenigen, die im Zug saßen, schwärmten von den Wagen: hervorragend restaurierte Pullman-Wagen aus der Art Deco-Epoche.

Hierzu einige historische Anmerkungen: So einheitlich unser sechs Wagen langer „Luxuszug“ auch aussah, die sechs Wagen sind doch nur zum Teil gleichen Ursprungs. Vier von ihnen, die RhB As 1141-44 sind echte Pullman-Wagen mit den charakteristischen "bay windows" und ovalen Toilettenfenstern, geliefert 1931 als Nr. 103-106 an die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft (ISG) zum Einsatz im „Golden Mountain Express“ der Montreux-Oberland-Bahn. Dort gerieten sie in den Strudel der Weltwirtschaftskrise und wurden nach nur einer Saison mangels Nachfrage abgestellt. 1939 wurden sie dann an die RhB verkauft, die sie jahrzehntelang zur Verstärkung ihres Erstklass-Angebots einsetzte. Als sie Ende des letzten Jahrhunderts schließlich verschrottet werden sollten, rettete sie ein Verein und ließ sie in der RhB-Hauptwerkstätte originalgetreu restaurieren. Sogar die Stoffe der Polstersessel mit ihren Art Deco-Mustern wurden extra nach alten Vorlagen im damaligen Stil neu gewoben. Eine kulturelle Großtat, die so vermutlich nur in der Schweiz möglich ist.

Der As 1161 ist hingegen ein originäres RhB-Fahrzeug. Er wurde als Einzelstück 1930 zur Eröffnung der "Glacier-Express"-Verbindung St. Moritz – Zermatt (mit Bremszahnrad!) gebaut und nach dem damaligen RhB-Direktor auch "Bener-Wagen" genannt. Er gehörte zu den ersten Ganzstahlwagen der Rhätischen Bahn, war daher relativ schwer und wurde infolgedessen kaum einmal im, damals auf der Furkastrecke dampfgeführten, "Glacier" eingesetzt. Dafür hatte er aber die Ehre, jahrzehntelang prominente Fahrgäste – etwa Royals verschiedener Couleur und Künstler – auf der RhB zu befördern. Nach einer Episode als Messwagen und erneutem Umbau diente er als Verstärkungs-Speisewagen und wurde schließlich zusammen mit den vorgenannten Pullman-Wagen um die Jahrtausendwende in den jetzigen Zustand versetzt. Das sechste Fahrzeug, der Piano-Barwagen WR-S 3820, wurde aus einem ehemaligen Bernina-Speisewagen so umgebaut, dass er äußerlich dem "Pullman"-Look entspricht. Beim Einsatz mit den Salonwagen dient er als Bewirtschaftungs-Zentrum des Zuges und als "Lounge-Car" mit Live-Musik in der Tradition der großen Zeit exklusiven Reisens auf der Schiene.

Die unentwegten Fotografen fuhren in Planzügen dem Salonwagenzug bis Ardez voraus, um die Einfahrt mit Kirche oder wahlweise mit der Burg Steinsberg aufzunehmen. Für die gesamte Gruppe ging es danach auf reservierten Plätzen in den Pullman-Wagen zunächst auf der Engadinerbahn und durch den Vereinatunnel weiter ins Prättigau. In Klosters stand nun wieder ein Fotobus zur Verfügung. Ulf Weidle hatte seine Transferfahrt ebenso pünktlich absolviert wie unser Sonderzug. Bis zum Endbahnhof Landquart konnte der eine Teil der Gruppe die Landschaft vom Zug aus bewundern, der andere hatte stets einen suchenden Blick Richtung Krokodile und für passende Fotostandpunkte. Auf diese Weise entstanden wiederum einige sehenswerte Aufnahmen des ungewöhnlichen Zuges.

nach oben             Schließen